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Blogeinträge (themensortiert)
Thema: Sinniertes
Schneckenhaus
***
Es war einmal....
... eine kleine Schnecke, die gross und stark werden wollte. Mutig kroch sie hinaus in die Welt und auch wenn Gefahr drohte, lugte sie ganz schnell wieder aus ihrem Häuschen heraus, denn die Welt schien ihr so faszinierend und schön, dass sie ihre Angst beiseite schob und hier an einem Blättchen und dort an einem Salätchen knabberte und auch das Auftauchen von gelegentlichen Amseln änderte daran nicht viel.
Von soviel schönem Leben leichtsinnig geworden, verzog sie sich immer seltener in ihr Häuschen und freute sich ob der Sonne, des üppigen Speiseplans und daran, dass sie unterdessen gross und stark geworden war.
Doch eines Tages, sie mümmelte gerade so an einer Hyazinthen-Blüte, die sie so besonders gern mochte, dachte sich nichts böses, sinnierte über ihr Leben und hielt den Schatten über ihr für ein kleines Wölkchen vor der Sonne. Doch oh weh, es war eine Amsel, die sich direkt von vorne angeschlichen hatte und vor lauter Schreck versuchte die kleine Schnecke nicht gleich, sich in ihr Häuschen zurückzuziehen, sondern wollte arglos und naiv mit der Amsel reden, um sie davon zu überzeugen, dass sie keine Feinde sein müssten. Doch die Amsel sah nur ihre Mittagsmahlzeit und wollte nicht reden und hackte auf die Schnecke ein, die sich mit letzter Kraft in ihr Häuschen zurückzog, von wo sie spürte, wie zornig die Amsel auf ihrem Häuschen herumhackte.
Die kleine Schnecke war verletzt und blieb sieben Tage und sieben Nächte in ihrem Häuschen und wusste nun, Amseln sind keine Freunde.
***
Ich werde es nie lernen, mich nicht zu weit hinauszuwagen, Menschen nicht zu nah an mich heranzulassen. Aber ich will es auch gar nicht, auch wenn mir der Preis jedesmal zu hoch scheint.
Jac 12.02.2008, 12.27 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Stümperhaftes Liebesgedicht
Wir sahen aus wie Nonne und Pater,
meinte amüsiert mein Vater.
Schwarzer Mantel über weissem Kleid,
der Weg zum Standesamt war gar nicht weit,
doch wegen Winter haben wir gefroren,
kamen an mit roter Nase und kalten Ohren.
Die wichtigste Unterschrift haben wir gegeben,
für damals und doch fürs ganze Leben.
Versprochen haben wir uns schöne Dinge,
gewechselt danach die goldenen Ringe.
Es freuten sich darauf alle sehr,
mit Kindern, Krücken und vielem mehr.
Ein Anfang war es voller Pannen,
die Jahre zogen doch von dannen,
erfreuten uns mit schönen Sachen,
und mussten auch leide Erfahrungen machen.
Es wird hier gern und viel gelacht,
am Morgen, Abend und auch mal in der Nacht.
Du hast mich genommen, wie ich bin,
hattest nie meine Unterwerfung im Sinn,
hast mich ermutigt und nur mein Bestes gewollt,
mir auch immer wieder Bewunderung gezollt.
Mich angetrieben und aufgebaut,
mit mir gemeinsam nach vorne geschaut.
Seit damals sind es heut' 16 Jahr,
ich hab' nun Falten und graue Haar,
ein paar Kilo dazu, ein paar Macken mehr,
doch immernoch liebe ich Dich sehr.
Keinen einzigen Tag davon möcht' ich missen,
und darum werde ich Dich heute abend ganz heftig küssen.
~~~~~~~~~~~~~~

Alles Liebe zum Hochzeitstag, mein Daniel, mein Ein und Alles!
Jac 12.12.2007, 12.12 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL
Kleine Kinder, kleine Sorgen...
...grosse Kinder, grosse Sorgen...
Wer kennt ihn nicht, diesen Spruch...
Ich dachte immer, dass mit zunehmendem Kinderalter eine Verlagerung stattfindet, weg von den "pflegerischen" Aufgaben hin zu den "freundschaftlichen", beratenden Aufgaben und dass das dann viel leichter ist.
Doch nun merke ich, dass das eher ein Wunschdenken war.
Klar, alle meine Kinder sind in der Regel einige Stunden täglich ausser Haus, Körperpflege könn(t)en sie selber, wegen Hunger oder Durst muss ich auch nichts mehr fallen lassen und zu Hilfe eilen.
Und doch, in den Stunden, wo sie dann hier sind, da brauchen sie mich mehr, intensiver als früher. Es reicht nicht, dreiundzwanzig Mal die gleichen Lego-Teile zusammenzustecken, weil sie es selber noch nicht können, sondern da sind intensive Sachen gefragt wie Hausaufgabenkontrolle, ein Thema, das beim Grossen früher keines war, weil's nicht so drauf an kam, doch jetzt kann er sich eben nicht mehr durchmogeln und so bin ich in der Pflicht - nicht sein Aufgaben zu machen oder für ihn zu entscheiden, wann er sie macht, sondern ein Auge drauf zu haben, weil er ganz gern mal den Überblick verliert und sie dann vergisst. Plötzlich muss dieses Kind lernen, weil's ohne Lernen nicht mehr reicht - und das muss zuerst mal in seinem Kopf ankommen, denn 5 Jahre lang hat er alles im Vorbeigehen mitgenommen und musste sich kein bisschen anstrengen...
Können tut er es, nur das mit der Selbstorganisation, daran arbeiten wir noch - manchmal effizient und manchmal nur einfach laut, weil sich seine Vorstellungen nicht wirklich mit den unseren decken..
Töchterlein befindet sich in der entscheidenden Phase, welchen Typ Oberstufe sie ab nächsten Sommer besuchen wird. Und so gern sie in die Bezirksschule möchte, im Alltag ist die Motivation sich dafür einzusetzen eine oft sehr brüchige Sache - und so erinnere, motiviere ich, spiele den Antreiber - und das möglichst zeitgleich mit dem Antreiben des Grossen - und parallel zum Kleinsten, der nun auch Aufgaben machen muss und erst lernen muss, dass Schule nicht aufhört, wenn die Schule aus ist.
Daneben mache ich mir (zu?) viele Gedanken über ihre Persönlichkeitsentwicklung, über pubertäre Machtkämpfe, über hormongeschwängerte Streitigkeiten und ich finde das alles momentan doch ziemlich anstrengend.
Bei der Vorstellung, neben diesen Aufgaben noch einen Job oder eine erneute Ausbildung schmeissen zu müssen, wird mir ganz anders.
Ich weiss, es gibt viele da draussen, die genau das tun - aber ich kann es mir für uns nicht vorstellen, denn die Abstriche wären zu gross und langfristig würden die Kinder darunter leiden.
So beisse ich eben die Zähne zusammen, halte mir vor Augen, wie wichtig das ist, was ich hier tue und lasse mich gelegentlich belächeln "weil meine Kinder sind ja schon so gross, da ist es ja schon so viel einfacher...".
Jaja.
Aber so ganz unter uns:
auch wenn ich gelegentlich da Bedürfnis habe, hier auszureissen - ich weiss, dass ich die Herausforderung brauche. Für die einen ist das ein Job, für andere eine Ausbildung - für mich eben die Bedürfnisse der Kinder. Und das wissen sie anscheinend ;-)
Jac 30.10.2007, 20.23 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
...
Manchmal ist die Sehnsucht einfach nur unerträglich.
Und egal, wohin ich davonlaufe, sie kommt mit und treibt mir die Tränen in die Augen. Doch weinen, das kann ich nicht, doch lachen, das kann ich auch nicht und nichts spüren, das kann ich auch nicht.
Manchmal muss ich es einfach aushalten, und auch wenn ich jedesmal denke, es wird immer leichter - ganz so ist es nicht, Sehnsucht wird nicht schwächer mit der Zeit, auch der Schmerz nicht. Man wird wohl nur geübter, weiterzumachen.
Tröstlich, dass auch diese manchmal vorübergehen und morgen ein neuer Tag ist.
Jac 25.10.2007, 21.48 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Weltstar hautnah
Liederabend mit Montserrat Caballé, begleitet von Manuel Burgueras, Tonhalle Zürich
Als sie die Bühne betrat, wirkte sie wie eine alte Frau, mit schwerem Gang und ernstem Gesicht.
Doch dann erklangen die ersten Töne auf dem Klavier, ihr Gesicht verwandelte sich und als sie zu singen begann, fielen all die Jahre von ihr ab wie ein Mantel, den man abzieht und es zählte nur noch diese umwerfende Stimme, die raumfüllende Ausstrahlung und das Lächeln im Gesicht, das so ansteckend ist.
Nicht alle der Lieder waren meine Favoriten, doch WIE sie diese Lieder gesungen hat, machte jedes einzelne zu einem Erlebnis, umsomehr als wir in der ersten Reihe sassen und nichts und niemand uns die Sicht versperrte.
Als sie versuchte zu erzählen, warum sie die kleinen Pausen aus dem Programm ausfallen lassen, musste sie so lachen, dass man die Geschichte nicht wirklich verstand (der Pianist und der Tisch und eine Beinverletzung), aber das war nicht weiter schlimm, denn bei so einem ansteckenden Lachen ist es nicht mehr wichtig, weil man eben lachen muss.
Und als sie als Zugabe dann ein schweizerdeutsches Volkslied intonierte, war die Begeisterung, die Freude an der Musik und die tiefe Ehrfurcht vor dieser Künstlerin förmlich im Raum greifbar.
Es hat sich gelohnt, oh ja!
Jac 10.10.2007, 00.50 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL
Wehmut
Das MT ist nun vorbei, die ersten Bilder und Berichte tauchen auf, ich war nicht dabei - aber ich gebe zu, ein bisschen Wehmut packt mich schon.
Da sind so viele Menschen zu sehen, die ich so gerne wieder einmal gesehen hätte, die ich so wenigstens einmal im Jahr am MT getroffen habe...
Nun ja, ich habe mich so entschieden, und es war richtig - aber ein bisschen Selbstmitleid darf jetzt schon mal sein ;-)
Jac 23.09.2007, 21.52 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Befreit
Wie ein Stein lag es die letzten Wochen auf mir.
Ein unüberwindbarer Berg aus Fahrplänen, Distanz, Flugrouten, Reisezeit, Mietautos und Zugstreiks. Und so sehr ich mich abstrampelte, da hoch zu kommen, der Berg wurde immer höher und schwieriger, sodass ich mir vorkam, als müsste ich den Mount Everest erklimmen, doch dabei wollte ich doch nur ans MT. Plötzlich erwischte ich mich dabei, wie ich im Kopf das Verhältnis Reisezeit zu "dort-Zeit" berechnete, wie ich mir über Kosten Gedanken machte, was die letzten sechs Mal nicht eine Sekunde getan habe. Und das war mir dann doch Warnzeichen genug.
Doch nun habe ich es geschafft:
ich habe mich entschieden, auf gar keine Berge zu klettern, eine allfällige Auszeit sonstwie einzuziehen und das MT ohne mich stattfinden zu lassen. Und ich fühle mich sehr befreit. Natürlich wird mich eine gewisse Wehmut packen, wenn es dann soweit ist, aber das tut es bei jedem Treffen, wo ich gern dabei gewesen wäre und nicht konnte.
Vielleicht liegt das "Befreit-Gefühl" aber auch einfach an den 2 dl MoëtChandon, die ich intus habe ;-)
*hicks*
Jac 05.08.2007, 20.17 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL
In einem anderen Leben
In einem anderen Leben,
...da habe ich Tage, Wochen, Monate mit meinem Sohn im Spital
verbracht, immer voller Mut, dass vielleicht alles wieder gut wird,
immer darauf ausgerichtet, das alles irgendwie zu überstehen und zu
funktionieren, immer das Ziel "Chemo-Ende" vor Augen, mit dem Wunsch im
Herzen nach Heilung.
... da habe ich irgendwann packen müssen, dass es nicht nur keine
Heilung, sondern keine Hoffnung mehr gibt, denn die Befunde des
Rezidivs waren mehr als eindeutig.
... da musst ich lernen, loszulassen, was ich doch festhalten wollte,
was ich nicht hergeben wollte, musste es aushalten, dass es irgendwann
kein Morgen mehr gibt für meinen Sohn.
In diesem anderen Leben habe ich an einem Dienstagabend zusammen mit
meinem lieben Mann unseren Sohn hier zuhause in den Tod begleitet,
seine letzten Atemzüge gehört, seine letzten Herzschläge gespürt - und
die grosse Stille in mir, als es vorbei war, kurz nach Mitternacht.
Stille und Erleichterung.
Traurigkeit und Hoffnung.
Alles gleichzeitig.
Es war in einem anderen Leben, so kommt es mir nun vor. Sieben Jahre
ist es her, ein mehrfaches länger, als David überhaupt bei uns war, und
alles, was mir geblieben ist, das ist das Gefühl, als sei es in einem
anderen Leben, in einem Film, bei jemand anderem gewesen.
Doch heute wird mir schmerzhaft klar : es kann sich tausendmal anfühlen wie in einem anderen Leben:
es ist kein anderes Leben, es ist mein Leben.
Und so fern und fremd es mir manchmal ist, tief in mir drin ist sie
immer da, die leise Sehnsucht nach ihm, der stille Schmerz, dass David
nicht bleiben durfte.
Und auch wenn ich weiss, dass es unmöglich ist - ich wollte, ich könnte ihn wiederhaben.
Lasst ihn unvergessen bleiben, denn das ist alles, was wir noch haben.

Ob es wohl auch irgendwann mal aufhört, weh zu tun an Tagen wie diesen?
Jac 02.05.2007, 21.17 | (13/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
Für den WBE
Du bisch mis Güüfeli.
(Du bist meine Stecknadel, Anm. der Red.)
Ja, das passt. Der gestrige Tag mit Dir war einfach wunderbar, nur wir beide, keiner, der dreinredet und schon wieder gehen will, bevor wir angekommen sind. Und der anderen, der haben wir es gezeigt, jawoll.
Und ich freu mich über jede Minute, die wir ungestört verbringen dürfen, denn Du bist für mich noch immer der spannendste Mensch auf dieser Welt, auch nach all den Jahren. Es macht mich froh für die Zukunft, denn Du weisst ja: es gibt ein Leben nach den Kindern ;-)
Jac 22.04.2007, 21.22 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
An meine schärfste Kritikerin
Ich mag Dich nicht.
Was auch immer ich tue oder denke, fühle oder sage, immer, wirklich immer, weisst DU es besser. An allem hast Du etwas auszusetzen, Du findest noch das letzte Haar in der Suppe.
Lange Zeit habe ich geglaubt, Du meinst es gut mit mir, und Deine Anwesenheit treibt mich an, stets das Beste, was ich zu geben habe, noch etwas besser zu machen. Ich dachte, Du möchtest, dass ich noch besser, noch gütiger, noch perfekter werde. Wenn Du mich ständig kritisiert hast, sobald ich mich an meiner Leistung gefreut habe, dann habe ich das als ganz normal empfunden, als hätte ich nicht mein Bestes gegeben und mir fest vorgenommen, alles noch besser zu machen, damit Du irgendwann einmal nichts mehr zu meckern findest.
Aber das war ein Denkfehler : Du findest immer etwas. Du treibst mich nicht an, sondern Du zerstörst mir die Freude daran, was ich tagtäglich leiste, nimmst mir den Mut, die Dinge nur gut, aber nicht perfekt zu machen, auch den Mut, mich an neue Dinge zu wagen und impfst mir ein schlechtes Gewissen ein, wenn ich in Deinen Augen versagt habe.
Deinetwegen kann ich mich an manchen Sachen nicht mehr einfach erfreuen, sondern richte den Blick auf meine Unzulänglichkeiten, denn nur noch perfekter ist gut genug.
Ich habe genug von Dir, ich will Dir keine Macht mehr über mich geben.
Du hast Dich jetzt lange genug in meinem Wesen eingenistet, geh weg und lass mich in Ruhe.
Ich möchte mich freuen können, weil ich etwas einfach gemacht habe, und zwar nicht nur, wenn es absolut über jeden Zweifel erhaben ist. Ich möchte auch mal schlecht gelaunt, ungenau, unperfekt, chaotisch, schlampig sein können, ohne Dein Dauergemeckere zu hören. Ich möchte frei sein, mich in meiner Ganzheit anzunehmen, und so leid es mir für Dich tut (nein, eigentlich tut es mir gar nicht leid), da gehören auch meine Schwächen dazu, die mich bestimmt zu einem nicht perfekten, aber vielleicht zu einem liebenswerten Menschen machen. Ich möchte mich nicht Deinetwegen immer an anderen messen müssen, sondern meine eigenen Wertmassstäbe finden, aus mir heraus.
Ich will nicht mein ganzes Leben an Deinem Leistungsdruck ausrichten, sondern den Moment spüren, nicht eine leistungsfähige Maschine sein, sondern ein warmer, fühlender Mensch.
Verschwinde, Du innere Stimme, die mich so hart dran nimmt wie sonst keiner. Verschwinde und lass mich Mensch sein.
Jac 11.02.2007, 14.03 | (6/2) Kommentare (RSS) | TB | PL


