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Ausgewählter Beitrag

An meine schärfste Kritikerin

Ich mag Dich nicht.

Was auch immer ich tue oder denke, fühle oder sage, immer, wirklich immer, weisst DU es besser. An allem hast Du etwas auszusetzen, Du findest noch das letzte Haar in der Suppe.

Lange Zeit habe ich geglaubt, Du meinst es gut mit mir, und Deine Anwesenheit treibt mich an, stets das Beste, was ich zu geben habe, noch etwas besser zu machen. Ich dachte, Du möchtest, dass ich noch besser, noch gütiger, noch perfekter werde. Wenn Du mich ständig kritisiert hast, sobald ich mich an meiner Leistung gefreut habe, dann habe ich das als ganz normal empfunden, als hätte ich nicht mein Bestes gegeben und mir fest vorgenommen, alles noch besser zu machen, damit Du irgendwann einmal nichts mehr zu meckern findest.

Aber das war ein Denkfehler : Du findest immer etwas. Du treibst mich nicht an, sondern Du zerstörst mir die Freude daran, was ich tagtäglich leiste, nimmst mir den Mut, die Dinge nur gut, aber nicht perfekt zu machen, auch den Mut, mich an neue Dinge zu wagen und impfst mir ein schlechtes Gewissen ein, wenn ich in Deinen Augen versagt habe.
Deinetwegen kann ich mich an manchen Sachen nicht mehr einfach erfreuen, sondern richte den Blick auf meine Unzulänglichkeiten, denn nur noch perfekter ist gut genug.

Ich habe genug von Dir, ich will Dir keine Macht mehr über mich geben.
Du hast Dich jetzt lange genug in meinem Wesen eingenistet, geh weg und lass mich in Ruhe.
Ich möchte mich freuen können, weil ich etwas einfach gemacht habe, und zwar nicht nur, wenn es absolut über jeden Zweifel erhaben ist. Ich möchte auch mal schlecht gelaunt, ungenau, unperfekt, chaotisch, schlampig sein können, ohne Dein Dauergemeckere zu hören. Ich möchte frei sein, mich in meiner Ganzheit anzunehmen, und so leid es mir für Dich tut (nein, eigentlich tut es mir gar nicht leid), da gehören auch meine Schwächen dazu, die mich bestimmt zu einem nicht perfekten, aber vielleicht zu einem liebenswerten Menschen machen. Ich möchte mich nicht Deinetwegen immer an anderen messen müssen, sondern meine eigenen Wertmassstäbe finden, aus mir heraus.
Ich will nicht mein ganzes Leben an Deinem Leistungsdruck ausrichten, sondern den Moment spüren, nicht eine leistungsfähige Maschine sein, sondern ein warmer, fühlender Mensch.

Verschwinde, Du innere Stimme, die mich so hart dran nimmt wie sonst keiner. Verschwinde und lass mich Mensch sein.


Jac 11.02.2007, 14.03

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Kommentare zu diesem Beitrag

6. von birgit

ich habe einen wundervollen satz bei luisa francia gefunden
'ich verzeihe mir wirklich alles'
und den sag ich mir jetzt jeden morgen zum aufstehn bis ich ihn verinnerlicht habe
allerliebste grüße birgit


vom 21.02.2007, 17.52
5. von andrea

liebe jac - genau dieser hochseilakt zwischen *das spornt mich an* oder dem *das macht mich kaputt* ist ein schwieriger... manchmal müsste man sich von ausserhalb betrachten können - mit den augen von freunden... ok, DAS geht nicht... aber was geht, ist, dass ich mir vor augen führen kann, WAS meine freunde an mir schätzen und NOCH NIE habe ich von ihnen gehört, dass sie mich perfekt möchten!!! da werden dinge genannt wie: dein lachen steckt an, du bist eine gute zuhörerin, dein humor gefällt... lass die stimme verstummen... viel glück - andrea

vom 13.02.2007, 20.18
4. von anke

darf ich mir den text klauen und schwiemu zum muttertag schicken ? :ups:

vom 13.02.2007, 14.27
3. von Silly

Das habe ich auch nicht so verstanden, trotzdem dachte ich sollte Dir das mal jemand sagen ;) :kiss:

vom 13.02.2007, 08.27
2. von Silly

Liebe Jac,

egal was Deine innere Stimme Dir auch sagt
DU bist ein wundervoller, warmherziger Mensch - und ich bin froh darüber, dass wir uns kennen. :kiss:

vom 12.02.2007, 09.03
Antwort von Jac:

Danke Silly *bussi*
Deswegen habe ich es nicht geschrieben,damit ich Komplimente bekomme,  sondern um mir selber wirklich klarzumachen, dass mich diese innere Stimme oft in die Irre führt und mich unzufrieden mit mir selber sein lässt.

Aber annehmen tue ich es dennoch gern :-)

1. von KArin

und ich dachte, du sprichst von meiner alten Freundin X.Y. aus Wien... ;-))
LG

vom 12.02.2007, 00.01
Antwort von Jac:

*g*

Beim Drüber-Nachdenken würden mir vermutlich auch reale Menschen einfallen, auf die ich meine Worte anwenden könnte - aber ich will nicht ;-)